Wettkampf

Wettkampf (Shiai)

Judo ist eine Zweikampf-Sportart. Ziel ist es, den Gegner durch Anwenden einer Technik mit Kraft und Schnelligkeit kontrolliert auf den Rücken zu werfen. Gelingt dies, so ist der Kampf gewonnen, wie ein KO beim Boxen. Dabei ist es meist unerheblich, wie geworfen wurde und welche Technik verwendet wurde, solange der Werfende den Geworfenen dabei deutlich kontrolliert und keinen Regelverstoß begeht. Tatsächlich haben auch einige Techniken anderer Kampfsportarten im Wettkampfjudo ihren Einzug gehalten. Als grober Anhaltspunkt: Je besser der Gegner auf den Rücken fällt, umso bessere Wertungen erhält man. So kann der Kampf, nach Ende der Kampfzeit (5 Minuten im Erwachsenenbereich, zwischen 4 und 2 Minuten im Kinder- und Jugendsport), auch nach Wertungen oder durch Kampfrichterentscheid entschieden werden. Ein Unentschieden (Hiki-wake) wird nur bei Freundschafts- oder in Ligakämpfen ausgesprochen. Konnte keiner der Kontrahenten vor Ablauf der vollen Kampfzeit einen Vorsprung erzielen, so werden bereits erlangte Wertungen zurück gesetzt und es folgt ein Kampf im „Golden Score“, der wiederum maximal 5 Minuten dauert. Dieser ist jedoch sofort beendet, wenn einer der Kämpfer eine Wertung erhält oder bestraft wird.

Der Kampf findet jedoch nicht ausschließlich im Stand statt, sondern geht auch am Boden weiter. Hier gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten, einen Sieg zu erringen. Wird der Gegner für 25 Sekunden auf dem Rücken liegend am Boden festgehalten, so ist der Kampf gewonnen. Wie bei den Würfen, werden auch hier Wertungen für eventuell kürzere Haltezeiten vergeben. Als Alternative besteht noch die Möglichkeit den Gegner durch einen Armhebel oder Würgegriff zur Aufgabe zu zwingen. Sobald einer der Kontrahenten jedoch in den Stand zurückkehrt, muss der Kampf unterbrochen und im Stand neubegonnen werden.

Wertungen
Es gibt vier verschiedene Wertungen, welche alle unabhängig voneinander vergeben werden können. Die höchste Wertung, die vergeben werden kann, ist der Ippon. Erhält ein Kämpfer diesen, ist der Kampf sofort beendet. Die nächst niedrige Wertung ist der Waza-ari, zwei Waza-ari werden zu einem Ippon addiert. Die nächst niedrigere Wertung ist der Yuko und anschließend der Koka. Eine Addition zur nächst höheren Wertung ist bei diesen beiden nicht möglich.

Ippon (Ganzer Punkt)
Die höchste Wertung für einen Kämpfer wird erteilt für:

  • eine Wurftechnik, welche den Kontrahenten mit KontrolleKraftSchnelligkeit zum großen Teil auf den Rücken wirft,
  • das Halten des Kontrahenten mit einer Haltetechnik (Osae-komi) für 25 Sekunden,
  • Anwendung einer Hebel- oder Würgetechnik, bis der Kontrahent aufgibt oder Kampfunfähig wird,
  • zweimaliger Gewinn eines Waza-ari oder
  • Disqualifizierung des Kontrahenten durch Hansokumake.

Waza-ari (Halber Punkt)
Ein Waza-ari wird vergeben für:

  • eine Wurftechnik, welche eines der drei Kriterien für einen Ippon nur zum Teil erfüllt (Eine typische und recht häufige Situation für einen Waza-ari ist, wenn der Rücken des Partners nur teilweise die Matte berührt),
  • das Halten des Kontrahenten mit einer Haltetechnik (Osae-komi) für mindestens 20 Sekunden oder
  • Bestrafung des Kontrahenten mit 3 Shido (Kei-koku).

Yuko (großer technischer Vorteil)
Ein Yuko wird vergeben für:

  • eine Wurftechnik, welche zwei der drei Kriterien für einen Ippon nur zum Teil erfüllt (Eine typische Situation wäre ein Wurf auf die Seite, ohne dass ein Teil des Rücken die Matte berührt),
  • das Halten des Kontrahenten mit einer Haltetechnik (Osae-komi) für mindestens 15 Sekunden oder
  • Bestrafung des Kontrahenten mit 2 Shido (Chui).

Koka (kleiner technischer Vorteil)
Ein Koka wird vergeben für:

  • eine Wurftechnik, welche keines der drei Kriterien für einen Ippon vollständig erfüllt (Eine typische Situation wäre ein Wurf mit Kontrolle, Kraft und Schnelligkeit bei dem der Partner aber nur auf einer Schulter, einem Oberschenkel oder seinem Gesäß landet),
  • das Halten des Kontrahenten mit einer Haltetechnik (Osae-komi) für mindestens 10 Sekunden oder
  • Bestrafung des Kontrahenten mit Shido.

Für jede Aktion wird nur eine Wertung vergeben, es ist also nicht möglich, einen Waza-ari und einen Koka für einen Wurf zu erhalten. Der Ippon wird auf den Wertungstafeln nicht aufgeführt, da er zum sofortigen Gewinn des Kampfes führt. Die hohen Bewertungen stehen links, die niederen rechts.

 

Wettkampffläche

Gekämpft wird auf mittelharten Matten (Tatami), welche einen stabilen und sicheren Stand ermöglichen und dennoch das Fallen entsprechend abmildern. Die Wettkampffläche sollte eine Größe von 14 × 14 m haben, jedoch 16 × 16 m nicht überschreiten. Der Kampf findet auf der Kampffläche statt. DieSicherheitsfläche bildet den äußeren Abschluss und soll Verletzungen vermeiden, falls die Kontrahenten unbeabsichtigt außerhalb des Randbereiches geraten sollten. Beide Flächen sollen eine unterschiedliche Färbung aufweisen.

 

Verbotene Handlungen

Beim Verstoß gegen die Wettkampfregeln erhält der entsprechende Kämpfer eine Verwarnung (Shido) oder wird disqualifiziert (Hansokumake). Eine Bestrafung bedeutet immer eine Wertung für den jeweils anderen Kämpfer beginnend mit Koka. Die Wertung für den Gegner steigt mit jeder neuen Verwarnung um eine Stufe an, so dass es maximal drei Verstöße pro Kampf und Kämpfer geben kann. Bei mehr als drei Verstößen wird ein Hansokumake ausgesprochen und der Kampf zugunsten des Kontrahenten beendet. Für besonders schwere Regelverstöße kann der Hansokumake auch direkt vergeben werden. Die direkte Disqualifikation von einem Kampf bedeutet gleichzeitig die Disqualifikation vom gesamten Turnier. Die älteren Bezeichnungen für die mittleren Verwarnungsstufen – Chui und Kei-Koku – sind im Wettkampfjudo nicht mehr gebräuchlich.

Kleine Regelverstöße
Der Judoverband ist darum bemüht, den Judowettkampf, vor allem für das Fernsehen und damit auch dem Zuschauer im Allgemeinen, interessanter zu gestalten. Im oberen Leistungsbereich sind die Unterschiede in Sachen Kraft, Schnelligkeit und Technik meist sehr gering, so dass sich ohne eine gewisse Aufforderung zum offensiven Kämpfen eine Entscheidung sehr lange hinziehen kann. Aus diesem Grund wurden eine ganze Reihe von Regeln erlassen, die die Kämpfer zu Angriffen drängen und ihnen gleichzeitig eine stetige defensive Haltung verbieten.
Eine erste Möglichkeit wäre zum Beispiel, den Partner auf Distanz zu halten, indem man den eigenen und vor allem den Griff des Gegners vermeidet. So kann man zwar selbst nicht angreifen, aber ebensowenig der Gegner. Meistens wird man jedoch den eigenen Griff so wählen, dass der Gegner kaum eine Möglichkeit hat, seinen Angriff umzusetzen. Werden zum Beispiel beide Ärmelenden festgehalten, so lässt sich damit der Griff des Kontrahenten vermeiden. Dies ist natürlich, wie die meisten Aktionen in dieser Gruppe, zuerst einmal erlaubt, aber nur, wenn man dann auch einen Angriff beginnt. Laut Regelwerk hat man hierfür bis zu 5 Sekunden Zeit. Dies hängt aber auch von der Situation und Einschätzung der Kampfrichter ab und kann variieren. Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Verstöße, die den oberen stark ähnlich sind. Zu erwähnen wären noch das Verhaken der Finger, eine andere Fassart als dienormale zu wählen, und als allumfassende Regel, eine generell defensive Haltung einzunehmen. Auch das Vortäuschen eines Angriffes wird in der Regel bestraft, wie auch das deutliche Vermeiden von Angriffen. So wird bspw. ein Kämpfer bestraft, wenn er mehr als 25 Sekunden lang keinen Angriff versucht hat.

Das Verlassen der Matte wird ebenso geahndet wie das absichtliche Herausdrängen des Gegners. Die genannten Zeitangaben liegen jedoch im Ermessen der Kampfrichter.

Natürlich gibt es auch im Judo Techniken, die die Kämpfer gefährden können. So ist es verboten, eine Beinschere am Kopf, Hals oder Rumpf mit gestreckten Beinen anzusetzen. Auch das Zurückbiegen der Finger oder das Treten gegen die Hand des Gegners, um dessen Griff zu lösen, ist nicht gestattet. Der Griff in das Ärmelende oder gar in das Ende des Hosenbeins ist ebensowenig erlaubt wie das direkte Greifen in den Innenteil des Judogi. Auch dürfen Teile der Kleidung nicht in den Mund genommen werden. Auch das Würgen des Gegners oder das Umschlingen seiner Extremitäten mit dem Ende des Gürtels oder der Jacke ist nicht gestattet.

Schwere Regelverstöße
Ein schwerer Regelverstoß liegt dann vor, wenn ein Kämpfer die Gesundheit seines Gegners bzw. sich selbst gefährdet oder sich grob unsportlich verhält. So gibt es eine Reihe von Techniken, deren Anwendung immer wieder für Verletzungen sorgten und demnach verboten wurden. Beispiele für verbotene Techniken sind der Kawazu-Gake, das verhebelte Werfen, jegliche Form des Hebelns an einem anderen Gelenk als am Ellenbogen sowie das Eintauchen in die Matte (Hierbei versucht ein Kämpfer, seine Technik dadurch zu unterstützen, indem er sich gerade, stark nach vorne unten abbeugt und sich z. T. dabei selbst gefährdet.). Als grob unsportlich gelten z. B. das Beschimpfen des Gegners/eines Kampfrichters oder allein das (unaufgeforderte) Sprechen.